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Zeitarbeit in der Gastronomie - Arbeitnehmerüberlassung 2017 / Teil 1

Die Gastronomie klagt schon lange über Fachkräftemangel und die Schwierigkeiten, fähige Mitarbeiter zu finden. Unter Zeitdruck greifen viele Gastronomen auf Aushilfen von Zeitarbeitsfirmen zurück und setzen damit auf die Arbeitnehmerüberlassung. Von einer Arbeitnehmerüberlassung spricht man, wenn Angestellte eines Arbeitgebers einem fremden Unternehmen zeitweise und entgeltlich überlassen werden. Bekannter sind die Bezeichnungen Leiharbeit, Zeitarbeit oder Personalleasing.

Wir wollen in einem zweiteiligen Blogbeitrag das Thema unter die Lupe nehmen und Stolpersteine sowie Potenziale für das Gastgewerbe aufzeigen... Dafür befassen wir uns heute mit den Basics rund um das Thema Arbeitnehmerüberlassung, bevor es in zwei Wochen mit einem Expertenstatement und Erfahrungsberichten aus der Gastronomie weitergeht.

Was muss ich zur vertraglichen Konstellation wissen?

Der Leiharbeitnehmer hat einen klassischen Arbeitsvertrag im Hause der Zeitarbeitsfirma. Seine eigentliche Arbeitsleistung erbringt der Leiharbeitnehmer aber in einem fremden Betrieb, beim Entleiher bzw. dem Kunden seines Arbeitgebers. Zwischen Entleiher (bspw. einem Gastronomiebetrieb, der dringend eine Aushilfe sucht) und Verleiher (bspw. einer Zeitarbeitsfirma) kommt ein sogenannter Arbeitnehmerüberlassungsvertrag zustande. Dieser Arbeitnehmerüberlassungsvertrag überträgt das Weisungsrecht (oder auch Direktionsrecht) des Arbeitgebers auf den Entleiher. Somit kann dieser den Leiharbeitnehmer in seinem Betrieb einsetzen, ihm Anweisung jedweder Art geben und ihn im Dienstplan ebenfalls bestimmten Arbeitsbereichen und Schichten zuteilen. Die Ahndung von beispielsweise weisungs- oder pflichtwidrigem Verhalten verbleibt beim Verleiher. Kurzum: Es ist von Vorteil, einen guten Draht zur Zeitarbeitsfirma zu haben, um auf mögliche Konfliktmomente adäquat reagieren zu können.

Beispiel: In Dimitris Taverna ist der Koch langfristig ausgefallen. Da Dimitri keinen Koch am örtlichen Arbeitsmarkt findet, nimmt er Kontakt mit der GastroAÜ GmbH auf. Diese hat einen griechischen Koch angestellt, der in der Taverna tätig wird. Seinen Vertrag und alle damit verbundenen Themen hat der Koch aber bei der GastroAÜ GmbH. Ausschließlich das aus dem Anstellungsverhältnis bestehende Weisungsrecht wird auf die Taverna übertragen, damit Dimitri dem Koch Anweisungen geben kann.

Der Verleiher übernimmt keine Haftung für die Qualität der geleisteten Arbeit, sondern stellt lediglich die Arbeitskraft zur Verfügung. Damit geht man gewissermaßen auch ein Risiko ein, allerdings gibt es da ebenfalls Kündigungsfristen.

Welche aktuellen gesetzlichen Veränderungen gibt es im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung?

Im vergangenen Oktober hat der Bundestag die AÜG-Reform 2017 verabschiedet, die zum 01. April 2017 in Kraft getreten ist.

Die neuesten gesetzlichen Änderungen sind für die Gastronomie in den seltensten Fällen von Bedeutung, da die Leiharbeitnehmer hier meist nur über kurze Zeiträume eingesetzt werden. Denkbar sind beispielsweise wochenweise Krankheitsvertretungen oder sogar tageweise Mannschaftsverstärkung für ein besonderes Event. Generell ist das Ziel der Reform, Leiharbeitnehmer in Branchen mit längeren Einsätzen zu stärken und den Missbrauch von Werkverträgen in der Industrie einzudämmen.
Dennoch kann es vorkommen, dass man im „entliehenen“ Mitarbeiter Potenziale erkennt und diesen längerfristig beschäftigen will. Deshalb sollte man einige Details im Hinterkopf haben.

Die wichtigsten gesetzlichen Änderungen im Überblick:

1. Die zuvor unbegrenzte Überlassungsdauer wird auf eine Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten begrenzt. Wird der Leiharbeitnehmer nach diesem Zeitraum nicht abgezogen, kommt automatisch ein Anstellungsverhältnis zwischen Leiharbeitnehmer und Entleiher zu Stande.

2. Die zweite große Neuerung der AÜG-Reform ist das sogenannte „Equal Pay“ (Lohngleichheit). Im Rahmen der Reform ist eine Anpassung des Lohns des Leiharbeitnehmers an die Stammarbeiter des Kundenunternehmens nach spätestens neun Monaten vorgesehen. Ebenfalls ist eine stufenweise Anpassung des Gehaltes über 15 Monate darstellbar.

3. Weiterhin ist eine Offenlegungs- und Konkretisierungspflicht im Rahmen der AÜ Vertragsgestaltung festgelegt worden. Im Rahmen der Begrenzung von Scheinwerk- und dienstverträgen muss eine Arbeitnehmerüberlassung zwingend als solche bezeichnet werden sowie der Name des Leiharbeitnehmers konkret hinterlegt werden

4. Zudem ist es den Unternehmen im Rahmen der Reform untersagt, Leiharbeitnehmer als Streikbrecher einzusetzen. Werden Betriebe also bestreikt, so ist dies nicht mit Arbeitnehmerüberlassung auszuhebeln. Bei Zuwiderhandlung droht dem einsetzenden Betrieb eine Geldbuße von bis zu 500.000 Euro.

Fazit

Mit der AÜG-Reform 2017 verändern sich die Rahmenbedingungen für
Arbeitnehmerüberlassungen in Deutschland. Für die Gastronomie und Hotellerie sind die Änderungen in den meisten Fällen nicht von Bedeutung, da sie erst nach einer Überlassungsdauer von 9 Monaten greifen. Konkret erfolgt eine Stärkung der Leiharbeitnehmer über eine Anpassung der Gehälter und die zeitliche Befristung der Einsätze.

Unabhängig von den gesetzlichen Änderungen sollte die Möglichkeit – den Kanal Personaldienstleistung zu nutzen – erörtert werden. Sowohl bei der Suche nach den so rar gesäten Fachkräften als auch beim Ersatz für kurzfristigen Ausfall lässt sich mit Zeitarbeit schnell Abhilfe schaffen und man kann ggf. sogar fähige Mitarbeiter rekrutieren. In zwei Wochen wollen wir das Thema vertiefen und interessante Anwendungsbeispiele aus der Gastronomie liefern.