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Zeitarbeit in der Gastronomie - Basics zur Arbeitnehmerüberlassung, Teil 2

Im vergangenen Beitrag sind wir auf das Thema Arbeitnehmerüberlassung eingegangen und haben die aktuellen Gesetzesänderungen vorgestellt. Doch was sind die konkreten Motive und Anwendungsbeispiele? Wie wird Arbeitnehmerüberlassung in der Gastronomie und Hotellerie gelebt? Welche Chancen bietet das Thema Zeitarbeit für das Gastgewerbe? Das alles wollen wir heute auf Basis geführter Experteninterviews genauer beleuchten. Unsere Interviewpartner waren:

Zeitarbeit aus Experten- und Nutzersicht

Matthias Recknagel berichtet uns, dass sich die Arbeitnehmerüberlassung in der Gastronomie derzeit einer hohen Beliebtheit erfreut. Dafür gebe es im Wesentlichen zwei Gründe: einerseits den derzeit schwierigen Personalmarkt des Gastgewerbes, andererseits den Bedarf nach temporärem Einsatz von entsprechenden Fachkräften.

Die Einsätze sind in etwa 95% der Fälle kurzfristig und relativ kurzweilig. Sprich: Die meisten Gastronomen suchen Personal für Urlaubs- oder Krankheitsvertretungen oder Aushilfen für Zeiten von Geschäftsspitzen, wenn Unterstützung aufgrund von mangelndem Stammpersonal gefordert ist.

In diesen Fällen haben die im letzten Beitrag vorgestellten Gesetzesänderungen keine Relevanz.
Ohnehin tritt „Equal Pay“ in der Gastronomie in den Hintergrund. Die meisten Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen verdienen nach Tarif und damit das Gleiche wie die angestellten Kollegen in den Entleiher-Betrieben. Oftmals wird sogar übertariflich entlohnt. Gründe hierfür finden sich im Bedarf des Marktes sowie in der Flexibilität, die die Branche fordert.

Diese Aussagen decken sich mit den Erfahrungen von Stefan Wilde. Auch er freut sich über die Möglichkeiten der Zeitarbeit in Fällen von Urlaub und Krankheit.

„Dem saisonalen Geschäft der ElbeZeit GmbH kommt die Dienstleistung ebenfalls sehr entgegen. Neben allgemeinem Personalmangel in der Branche ist es aber auch das gewässerbedingt schwankende Geschäft, das uns immer wieder auf Aushilfen von Zeitarbeitsfirmen zurückgreifen lässt."

Bei Niedrigwasser auf der Elbe kann er die Schiffe nicht zu hundert Prozent auslasten. Quoten von 60-65% Auslastung sind hier nichts Ungewöhnliches und wären mit 100 % Stammbelegschaft nur schmerzhaft abzubilden. Dass viele der 5-10% Leiharbeitnehmer hier besser verdienen, ist ein offenes Geheimnis.

Herr Jörg Honekamp muss beim Big Mountain Resort in Winterberg neben dem saisonalen Geschäft noch eine weitere Herausforderung bewältigen:

„In dem dünn besiedelten Gebiet, in dem unser Betrieb liegt, gibt es neben fehlenden Fachkräften auch keine Studierenden, die ja in städtischen Gebieten oft Nebenjobs in der Gastronomie suchen. Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen sind da eine praktikable Lösung.“

Der grundsätzliche Mangel an Personal steht hier als Motiv im Vordergrund und führt zu einer Quote von 15-20% Leiharbeitnehmer im Betrieb. Die höheren Kosten für das Leihpersonal nimmt er dafür in Kauf.

Vor- und Nachteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber?

Damit kommen wir zu einem zentralen und positiven Punkt: Die Kosten für das geliehene Personal sind pro Stunde etwas höher als beim Stammpersonal.
Die Quoten unterscheiden sich je nach Betrieb. Da der Entleiher aber nur die wirklich abgeleisteten Stunden bezahlt, ist die Dienstleistung gut kalkulierbar. Zudem ist laut unserer Experten deswegen auch das Lohnniveau der festangestellten Mitarbeiter bezogen auf die produktiven Stunden (alle vertraglich vereinbarten Stunden exklusive der Abwesenheitsstunden durch z.B. Urlaub, Krankheit etc.) mit dem Stundenlohn eines entliehenen Arbeitnehmers nahezu gleichwertig.

Parallel dazu finden Mitarbeiter mit entsprechenden Qualifikationen eine dauerhafte Beschäftigung beim Personaldienstleister. Laut Herrn Recknagel gibt Buhl in der Regel unbefristete Verträge aus.
Man könnte also sagen, dass Zeitarbeit auf Basis vieler Bedarfssituationen in unterschiedlichsten Betrieben dauerhafte Anstellungsverhältnisse erzeugt - zum Wohl beider Seiten.

Kann ich entliehenes Personal langfristig übernehmen?

Doch was ist, wenn der überlassene Arbeitnehmer so toll ist, dass man ihm am liebsten einen Vertrag anbieten möchte? Normalerweise gibt es hier eine vertragliche Regelung, die bereits bei Beginn der Arbeitnehmerüberlassung unterzeichnet wird. Der Vertrag sieht oft eine prozentuale Ablösesumme vor, die am zukünftigen Jahresgehalt des Mitarbeiters bemessen wird. Die Werte schwanken zwischen einem und vier Monatsgehältern. Das sollte Ihnen ein gut ausgebildeter Mitarbeiter jedoch wert sein. Nach Rücksprache mit dem Anbieter wird für gewöhnlich eine individuelle Lösung gefunden, mit der alle Seiten einverstanden sind.

Fazit

Die Einsätze von Personal auf Zeitarbeitsbasis sind in der Gastronomie und Hotellerie wegen der aktuellen Marktsituation zur Normalität geworden. Die Motive sind verschieden: ob saisonales Geschäft, Sitz in einer strukturschwachen Gegend oder der Bedarf nach Urlaubs- oder Krankheitsvertretungen. Diese Einsätze sind mehrheitlich kurzweiliger Natur und bieten ein höheres Maß an Flexibilität bei nahezu gleichwertigen Personalkosten.

Allgemein betrachtet scheinen die Vorteile – für alle Seiten – zu überwiegen. Betriebe, die auf Zeitarbeit zurückgreifen, bekommen Personal nach Bedarf, während Arbeitnehmer eine beständige Anstellung bei teilweise besserer Bezahlung erhalten. Zudem besteht die Chance, Personal zu übernehmen, welches man im operativen Geschäft schon kennenlernen durfte.