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Urlaubsanspruch für Minijobber – wie viele Tage stehen ihnen wirklich zu?


Sommer, Sonne, Strand… Es ist Urlaubszeit und auch in Deutschland steigen die Temperaturen. Da sollte doch auch mal ein halber Tag am See drin sein, oder? Dabei haben auch Minijobber Anspruch auf bezahlten Urlaub. Die Grundlage dafür bildet die Urlaubsberechnung. Personalverantwortlichen erscheint die Berechnung des Urlaubsanspruchs auf den ersten Blick gar nicht so schwer, auf den zweiten stellt man jedoch fest, dass es doch einige Besonderheiten zu beachten gilt. Die Beschäftigung von Minijobbern ist vielseitig, sie sind häufig an wenigen Tagen in der Woche beschäftigt oder arbeiten sogar variabel in den Wochen, was die Berechnung etwas komplizierter macht. Wir knöpfen uns mit diesem Artikel speziell den Urlaubsanspruch für Minijobber vor und fassen für euch alles Wissenswerte zusammen, damit beim nächsten Urlaubsantrag nichts schiefgeht.

Grundsätzliches

Ein Grundsatz gilt natürlich: Der gesetzliche Urlaubsanspruch gem. § 3 BUrlG, also 24 Tage bei einer 6-Tage-Arbeitswoche in einem Kalenderjahr, ist das Maß aller Dinge. Anhand dieser Formel kann entsprechend nach Arbeitstagen der gesetzliche Urlaub berechnet werden. Wie viele Stunden am Tag gearbeitet werden, ist nicht relevant, hier gilt das sogenannte Tagesprinzip. Aber Minijobber arbeiten häufig an weniger Arbeitstagen in der Woche oder sogar jede Woche unterschiedlich ganz variabel in verschiedenen Schichten. Fest steht: Der Urlaub ist, sofern er entstanden ist, grundsätzlich auch für Minijobber zu bezahlen. Die Höhe des Urlaubsentgelts richtet sich gemäß § 11 BUrlG nach dem durchschnittlichen Verdienst der letzten 13 Wochen vor Beginn des Urlaubs, wobei Überstundenzahlungen unberücksichtigt bleiben.

 

Kleine Wiederholung: Entstehung des Urlaubsanspruchs

Wie in unserem letzten Blogartikel zum Urlaubsrecht schon beschrieben, entsteht der Urlaubsanspruch bereits mit Erfüllung des ersten vollen Kalendermonats geleisteter Arbeit. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein ganzheitlicher Urlaubsanspruch entsteht; vielmehr ergibt sich in den ersten sechs Monaten des Arbeitsverhältnisses der sogenannte Teilurlaub. Der Teilurlaub nach § 5 BUrlG beinhaltet den Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat, in dem das Arbeitsverhältnis besteht. Dies bedeutet im Gegenzug, dass ein voller Urlaubsanspruch vorliegt, nachdem das Arbeitsverhältnis volle sechs Monate Bestand hatte. Allerdings ist dies nur innerhalb des Kalenderjahres der Fall. Steigt der Mitarbeiter unterjährig ein und kann im Jahr die Wartezeit von sechs Monaten nicht mehr erreicht werden, entsteht der Vollurlaub nicht; hier verfügt der Mitarbeiter nur über den Teilurlaubsanspruch. Scheidet der Mitarbeiter vor dem Erfüllen des ersten vollen Monats aus dem Arbeitsverhältnis aus, so entsteht der Teilurlaub gar nicht erst. Eine Besonderheit (nur!) des Teilurlaubs ist, dass Bruchteile von Urlaubstagen, die mindestens einen halben Tag ergeben, auf einen vollen Tag aufgerundet werden.

 

Arbeit an festen Arbeitstagen in der Woche

Arbeitet der Minijobber nun an festen Arbeitstagen in der Woche, so richtet sich der Urlaub auch anteilig danach.

Beispiel 1:

Manuel ist Minijobber und soll laut Arbeitsvertrag drei Tage in der Woche arbeiten, er arbeitet bereits seit 7 Monaten im Betrieb. Manuel bekommt den gesetzlichen Urlaub. An welchen Tagen genau Manuel arbeitet, ist egal. Fest steht, dass Manuel drei Tage in der Woche arbeiten geht. Wie viel Urlaub hat Manuel in dem vollen Kalenderjahr?

Das Beispiel ist leicht, da Manuel anstatt sechs Arbeitstage nur drei arbeitet und bereits die Wartezeit erfüllt hat. Das bedeutet, dass Manuel bereits den vollen Urlaubsanspruch erworben hat. Anhand der folgenden Urlaubs-Formel lässt sich der Jahresurlaub nun berechnen:Somit hat Manuel Anspruch auf zwölf Urlaubstage pro Kalenderjahr. Insofern ergeben sich für Minijobber keine Besonderheiten.

 

Arbeit an unterschiedlichen Arbeitstagen in verschiedenen Wochen

Arbeitet der Minijobber jedoch in verschiedenen Wochen unterschiedlich oft, so wird die Berechnung etwas komplizierter. Hier wird das Jahr als Maßstab für die Berechnung herangezogen.

Ein möglicher Weg: Man kann die gesamten Arbeitstage des Minijobbers, die er in einem Jahr arbeitet, zusammenrechnen. Das Bundesarbeitsgericht hat festgelegt, dass in einem Jahr auf Basis einer 6-Tage-Woche 312 Arbeitstage liegen. Für die Berechnung der Urlaubstage wird der Durchschnitt der Vollzeit-Mitarbeiter zugrunde gelegt. Daraus wurde folgende Berechnungsformel entwickelt:

 

 

Beispiel 2:

Minijobberin Marie arbeitet schon seit acht Monaten im Betrieb, kommt jedoch immer unterschiedlich in der Woche zur Arbeit. Vollzeitmitarbeiter des Betriebs bekommen den gesetzlichen Mindesturlaubsanspruch. Sie hat bisher schon 26 Tage im Betrieb gearbeitet.
Wie hoch ist Maries Urlaubsanspruch?

 

 

Marie hat also einen Urlaubsanspruch von 2 Tagen.

Anders gesprochen, wird bei Zugrundelegung des gesetzlichen Anspruchs (24 Tage bei einer 6-Tage-Woche) der Multiplikator 1/13 genommen. Also für 13 Tage geleistete Arbeitstage erlangt ein Minijobber einen Tag Urlaub.

Aber Achtung: Bekommen die Vollzeitmitarbeiter des Betriebs durchschnittlich 30 Urlaubstage im Jahr, so bekäme Marie im gleichen Fall:

 

 

Vorsicht bei Abgeltung von Urlaub bei Minijobbern

Grundsätzlich sollte der Urlaub in Natura, das heißt tatsächlich gewährt werden. Sollte es beim Minijobber jedoch nicht dazu kommen können, ist Vorsicht bei der Abgeltung im Falle des Austritts des Mitarbeiters geboten. Der Minijobber darf nämlich nicht durch die Urlaubsabgeltung über den Betrag von 5.400 € jährlich kommen. Die Überschreitung ist nur dann unschädlich, wenn die Abgeltung nicht vorhersehbar war. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn der Arbeitnehmer außerordentlich gekündigt wurde. Nicht unvorhersehbar ist es jedoch, wenn der Urlaub tatsächlich genommen werden könnte.

 

Fazit zur Urlaubsberechnung bei Minijobbern

Wie wir sehen, ist das Thema doch mit ein wenig Rechnerei verbunden. Neben den oben erklärten Formeln könnte der gastromatic Urlaubsrechner eine Hilfestellung sein. Wichtig ist: Behaltet im Hinterkopf, dass auch ein Minijobber grundsätzlich einen Urlaubsanspruch hat. Nimmt ein Arbeitnehmer diese Urlaubstage nicht und das Arbeitsverhältnis endet, hat er einen Anspruch auf Abgeltung, was die Gefahr birgt, dass man den jährlichen Höchstbetrag von 5.400 € überschreitet. Außerdem soll ab 2019 in jeder Betriebsprüfung der Sozial- und Rentenversicherung verbindlich geprüft werden, ob allen Mitarbeitern der Urlaubsanspruch auch gewährt oder ausbezahlt wird. Zu beachten ist auch noch, dass – unabhängig vom BUrlG – auch Tarifverträge zur Anwendung kommen können, die abweichende Regelungen enthalten. Das solltet ihr unbedingt im Blick haben; gegebenenfalls hilft hier eine Rücksprache mit dem Anwalt des Vertrauens.

 

Hierbei handelt es sich um rechtlich unverbindliche Auskünfte, die keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, sowie keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit oder Qualität der bereitgestellten Informationen sowie der Rechtsprechung erheben. Haftungsansprüche gegen den Autor welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen.

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Anna Rosón Eichelmann

Syndikusrechtsanwältin, gastromatic

Anna ist passionierte Syndikusrechtsanwältin und Gastro-Trend-Spotterin. Neben Reisen und diversen Auslandsaufenthalten zeichnet sie die Liebe zur Gastronomie aus, was nicht zuletzt mit ihrer spanischen Herkunft zusammenhängt. Aktuell absolviert sie den theoretischen Teil des Fachanwaltslehrgangs im Arbeitsrecht. Zu ihren Praxisstationen zählen der Lehrstuhl für Arbeitsrecht an der Goethe-Uni in Frankfurt, die HR-Abteilung einer Bank, die Außenhandelskammer für Deutschland in Spanien sowie die Litigation-Abteilung bei Allen & Overy, einer britischen Großkanzlei. Seit 2016 schreibt Anna für gastromatic Beiträge zum Thema Arbeitsrecht und bereichert den Blog um juristisches Personalwissen.

  1. Christine Schöne, Hirsch Hotelbetriebs GmbH

    Guten Tag Frau Eichelmann,
    ich finde Ihren Beitrag sehr interessant. Ich würde ihn gerne ausdrucken. Können Sie mir das Dokument per E-Mail zukommen lassen?
    Vielen Dank
    Mit freundlichen Grüßen
    Christine Schöne Hirsch Hotelbetriebs GmbH

    1. Anna Rosón Eichelmann

      Liebe Frau Schöne,

      vielen Dank für Ihr Lob und Interesse an unserem Blogartikel zum Urlaubsanspruch für Minijobber. Wir freuen uns immer über Anmerkungen und Feedback zu unseren Artikeln! Derzeit arbeiten wir auch an einer „Jetzt-Drucken“-Funktion für unseren Blog, das wird aber noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Daher haben wir Ihnen das gewünschte Dokument soeben per E-Mail geschickt

      Viel Erfolg damit und einen erfolgreichen Sommer wünsche ich Ihnen noch!

      Gastronautische Grüße

  2. Karin Heinle

    Hallo Frau Eichelmann,
    Sie gehen von einer 6 Tage Woche aus? Ist es nicht normal 5 Tage-Wochen anzusetzen? Wie sieht dann die Berechnung aus?

    1. Anna Rosón Eichelmann

      Guten Tag Frau Heinle,

      das Arbeitszeitgesetz geht aktuell noch von einer 6-Tage-Woche aus. Auf Basis einer 5-Tage-Woche mindert sich der gesetzliche Anspruch (24 Tage auf Basis einer 6-Tage-Woche) auf 20 Urlaubstage pro Kalenderjahr.

      Darf ich fragen, welche Berechnung Sie genau meinen?

      Gastronautische Grüße

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