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Teambonus im Gastgewerbe: Können Teamboni motivieren & Umsatz steigern?


Dass die Mitarbeiter ein entscheidender Erfolgsfaktor sind, zeigt sich ganz besonders im Gastgewerbe. Immer wieder machen Studien deutlich, dass gerade die Service-Qualität über Erfolg oder Misserfolg in der Gastronomie entscheidet – noch knapp vor der Qualität des Essens. Zwar ziehen gutes Essen und ein tolles Konzept die Gäste an, schlechter Service verscheucht sie jedoch: Ist das Servicepersonal unfreundlich, unmotiviert, langsam und kennt sich nicht mit der Speisekarte aus, sind Gäste eher abgeneigt wiederzukommen und empfehlen das Restaurant seltener weiter. Eine Frage, die also Gastronomen ebenso wie Personalwirtschaftsforscher umtreibt: Wie motiviert man Mitarbeiter trotz des stressigen Alltags zu besserer Leistung? Ein Hebel, der dabei immer wieder diskutiert wird, ist der des umsatzabhängigen Teambonus. Können Teamboni ein effektives Mittel sein, um die Mitarbeitermotivation zu steigern und den Umsatz anzukurbeln? Wir gehen der Frage nach und zeigen euch die jüngsten Ergebnisse einer Praxis-Feldstudie.

Teamboni in der Praxis: Feldstudie mit einer Bäckereikette 

Ein Team von Wirtschaftswissenschaftlern (der Goethe-Universität Frankfurt am Main, der Universität zu Köln sowie der Universität Konstanz) hat sich schon vor einiger Zeit der Frage angenommen, denn im Gegensatz zu individuellen Belohnungssystemen sind Teamboni noch verhältnismäßig wenig erforscht. Da die Einzelleistung in einer Bäckerei nur schwer quantifizierbar ist und gerade Bäckereien nach der Einführung von Backstuben bei Lebensmittel-Discountern Umsatzeinbußen zu verzeichnen hatten, entschied man sich für eine Feldstudie mit Bäckereien.

Trotz der zunächst skeptischen Grundhaltung des Vorstands wurden bei einer Bäckereikette mit insgesamt 193 Filialen zwei vergleichbare Testgruppen gebildet. Dabei wurden in 96 Filialen Teamboni eingeführt, die an das Erreichen bestimmter Umsatzziele geknüpft waren, wobei der Bonus proportional zur Arbeitszeit an alle Beschäftigten [exklusive der Mini-Jobber] in der Filiale ausgezahlt wurde. Wurde das monatliche Umsatzziel erfüllt oder übererfüllt, warteten Bonuszahlungen pro Filiale. Eine Staffelung bis zu einem maximalen Bonus von 300 Euro sah wie folgt aus:

  • 100 Euro gab es ab einer Übererfüllung von bis zu 1%,
  • 150 Euro bei 1-2%,
  • 200 Euro bei 2-3%,
  • 250 Euro bei 3-4%,
  • 300 Euro ab 4%.

Verglichen mit der Testgruppe ohne Teambonus-System erhöhte sich der Umsatz in den 97 Filialen mit Teamboni um durchschnittlich 3%. Zwar stiegen mit den ausgezahlten Teamboni die Personalkosten um 2,3%; doch für jeden Euro, der als Bonus gezahlt wurde, wurden pro Filiale rund 3,80 € mehr Umsatz und etwa 2,10 € mehr Gewinn erwirtschaftet. Die dreimonatige Testphase zeigte also, dass das System durchaus profitabel ist; in der Folge wurde es auf alle 193 Filialen ausgeweitet. Interessant daran ist: Die höhere Produktivität ist laut Forscherteam auf eine bessere Zusammenarbeit zurückzuführen. Handlungen und Aufgaben wurden besser koordiniert und verteilt, wodurch der Verkaufsvorgang beschleunigt wurde. Kunden hatten kürzere Wartezeiten, die Abwanderungsrate verringerte sich. Zudem wurde von Seiten der Mitarbeiter aktiver darauf geachtet, welche Aufgaben abseits der Stoßzeiten erledigt werden sollten. Dies führte in der Summe dazu, dass jeder Mitarbeiter das große Ganze im Blick hatte, gewissermaßen unternehmerischer dachte, was die Filialen insgesamt profitabler machte. Die Kundenzufriedenheit stieg dabei ebenfalls.

Was jedoch auch deutlich wurde: Die Teamboni hatten auf Filialen, in denen viele Mini-Jobber beschäftigt waren, einen geringeren Effekt, offenbar da diese wegen ihrer 450-Euro-Vergütungsschwelle von den Boni ausgeschlossen waren. Werden nicht alle Teammitglieder belohnt, muss also die Wirkung von Teamboni in Frage gestellt werden. Um das zu umgehen, können aber andere Anreizsysteme gefunden werden (z.B Waren- und Universalgutscheine, die nicht steuerpflichtig sind und womit ein Mini-Jobber über 450 Euro verdienen kann). So lassen sich auch in Betrieben, in denen viele Mini-Jobber und Aushilfen arbeiten, Teamboni auf alle Teammitglieder verteilen.

 

Teamboni als Teil der Arbeitgebermarke

Neben der erhöhten Mitarbeitermotivation und einer damit einhergehenden Umsatzsteigerung können Teamboni auch in Hinblick auf ein erfolgreicheres Recruiting eine gewinnbringende Rolle spielen. Wir wissen von Betrieben, bei denen der Teambonus zu einem wettbewerbsfähigen Alleinstellungsmerkmal in Sachen Arbeitgebermarke & Employer Branding wurde. Gerade als Arbeitgeber, der viel Wert auf flache Hierarchien und eine gute Teamgemeinschaft legt, unterstreicht der Teambonus die offenen und kollaborativen Personalstrukturen im Betrieb und könnte so zum zusätzlichen Anreiz für Bewerber werden. Daher sollte man das Thema Teamboni auch in Stellenausschreibungen platzieren.

 

Teambonus vs. individueller Bonus – Vor- und Nachteile

Im Unterschied zu individuellen Leistungsbelohnungen fördern Teamboni die Kooperation auf Teamebene, bauen Rivalitäten ab und lassen Mitarbeiter ganzheitlich im Teamsinn agieren; der gemeinsam angestrebte Erfolg sollte jedoch noch greifbar sein. So erklärt Prof. Guido Friebel, der für die vorab ausgeführte Feldforschung maßgeblich verantwortlich war, in einem Interview: „Man könnte auch eine Gewinnbeteiligung für alle Mitarbeiter eines Unternehmens als Team-Bonus bezeichnen. Es ist aber fraglich, ob sich ein solches System, bei dem mehrere Hundert, Tausend oder Zehntausend Mitarbeiter als Team entlohnt werden, nachhaltig auf die Motivation des Einzelnen auswirkt. Der individuelle Beitrag zum Gesamtgewinn ist zu abstrakt und der Anreiz, als Trittbrettfahrer ohne besondere eigene Anstrengung am Bonus zu partizipieren, zu groß.“ Der Erfolg von Teamboni ist also maßgeblich von Teamgröße und Unternehmensstrukturen abhängig. Bei großen Teams funktioniert gegebenenfalls ein individueller Bonus besser, was aber auch die Gefahr birgt, dass ein einseitiger Fokus alleine auf den Verkauf gelegt wird und andere Aufgaben vernachlässigt werden, die nicht primär der Zielerreichung „Umsatzsteigerung“ dienen. Wo es vermehrt auch um Arbeitsbereichs-übergreifende Zusammenarbeit geht, könnte der Schuss also nach hinten losgehen.

Eine interessante „Spielart“ von Boni könnte das Thema gamification sein: Anbieter nutzen mehr und mehr spielerische Elemente, um sowohl Individuen als auch Teams intrinsisch zu motivieren. Über eine Software können individuelle und kollektive Challenges mit dem Kassensystem verbunden werden, so bspw. ein Dreier-Bingo: „Verkaufe drei Nicht-Bestseller während deiner Schicht.“ Dem Thema wollen wir uns aber noch gesondert widmen, ihr dürft auf den Blogbeitrag gespannt sein.

 

Fazit zum Teambonus

Teamboni können ein effektives Mittel sein, um den Umsatz zu steigern. Mitarbeiter ziehen besser am selben Strang und verkaufen so unter bestimmten Voraussetzungen mehr, wenn sie die Aussicht auf einen Bonus haben. Im Gegensatz zum Bonus für den Einzelnen incentiviert ein Teambonus jedoch das gesamte Team und arbeitet somit für und nicht gegen den Teamgeist. Was in kleineren Teams super funktionieren kann, birgt jedoch in großen Betrieben auch die Gefahr, dass Einzelne sich hinter der Teamleistung verstecken und von dem Engagement anderer mitgetragen werden. Hier gilt es kritisch zu prüfen, ob die Teamstrukturen für Teamboni geeignet sind und ob die Belohnung von Umsatzsteigerung den Fokus nicht zu sehr von anderen (kooperativen) Aufgaben und Kompetenzen ablenkt.

Der Teambonus ist allerdings nur einer von vielen Hebeln, der in der Regel nur wirken kann, wenn der Rest stimmt und gute Rahmenbedingungen für ein funktionierendes Teamgefüge geschaffen wurden. Herrscht eine angespannte oder konfliktgeladene Atmosphäre im Team oder sind die Mitarbeiter aufgrund anderer Faktoren unzufrieden, wird auch ein Teambonus keine Spitzen-Servicekräfte aus ihnen machen. Auch im Feldversuch wurde vorab in einer Mitarbeiterbefragung die Grundzufriedenheit der Mitarbeiter abgefragt. Ein gutes Onboarding kurz nach der Einstellung, regelmäßige Feedback-Runden und Teamevents, eine transparente Personalorganisation und viele weitere Personalthemen legen den Grundstein für ein harmonisches, effizientes und somit erfolgreiches Team, das durch einen Teambonus zu Höchstleistungen angespornt werden könnte. Daher unser Tipp: Prüft eure Teamstrukturen, rechnet alles sorgfältig durch, wägt den bürokratischen Aufwand ab (berücksichtigt dabei Steuern, Sozialversicherungsbeiträge, die Auszahlung selbst und den Arbeitsvertrag) und probiert es bei positiver Bewertung einfach mal aus. Analog zur Bäckereikette lassen sich Teamboni in Systemgastronomien mit mehreren Betrieben ebenso umsetzen wie in einem mittelgroßen Gastronomiebetrieb. In jedem Fall sollte die Einführung von Teamboni gut durchdacht und mit dem Team kommuniziert werden.

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Valerija Schwarz

Kommunikation & Marketing, gastromatic

Valerija heuerte schon 2015 bei der gastromatic-Crew an und ist heute für Kommunikation, Branding und Content verantwortlich. Ihre vielseitigen Erfahrungen aus dem Bereich Kommunikation - beim Goethe Institut in New York, bei der Branding-Agentur Endmark oder bei ihrem Promotionsprojekt gesammelt - setzt sie jetzt wortgewandt für Beiträge rund um Gastro-Themen am Puls der Zeit ein, wobei ihr Marketing-Wissen, Nachhaltigkeit, Portraits und (trendige bis brisante) Gastrostories besonders am Herzen liegen.

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