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Pausenregelung im Gastgewerbe: Pausen nach dem Arbeitszeitgesetz


Durch die Einführung des Mindestlohngesetzes im Jahr 2015 ist der Druck für Arbeitgeber größer geworden. Für jeden Mitarbeiter muss dokumentiert werden, welche Arbeitszeiten abgeleistet wurden und ob sich das daraus ergebende Entgelt im rechtlichen Rahmen bewegt. Dabei spielen auch Ruhepausen eine große Rolle, nicht zuletzt da hierüber die Arbeitszeit reguliert werden kann. Doch was ist unter einer Ruhepause zu verstehen und wie sollte man sich als Arbeitgeber verhalten, um Arbeitnehmer zufrieden zu stellen und Bußgelder zu vermeiden?

Rechtslage: Arbeitszeitgesetz und Pausenregelung

Das § 4 Arbeitszeitgesetz sieht vor, dass Arbeitnehmer nach 6 Stunden geleisteter Arbeit eine Ruhepause von 30 Minuten einlegen müssen, nach 9 Stunden Arbeitszeit weitere 15 Minuten. Die Pausen müssen bereits im Voraus festgelegt werden und es muss gewährleistet sein, dass der Mitarbeiter diesen Zeitraum zur freien Gestaltung nutzen kann. So ist es beispielsweise nicht gestattet, Rufbereitschaftszeiten wie Pausen zu behandeln.

Für Jugendliche gelten andere Bestimmungen, welche in § 11 Jugendarbeitsschutzgesetz zu finden sind. Hiernach müssen Jugendliche zwischen 4 ½ und 6 Stunden geleisteter Arbeit eine Pause von 30 Minuten machen und ab 6 Stunden weitere 30 Minuten pausieren. In allen Fällen gilt, dass die Ruhepausen in Abschnitte von 15 Minuten unterteilt werden dürfen.

Praxis & Probleme im Gastgewerbe

„Das Einhalten der Ruhepausen ist wichtig, damit Mitarbeiter sich erholen können. Andernfalls drohen Leistungsabfall, gesundheitliche Probleme und ein nicht kompensierbares Stresspotenzial, welches sich gegebenenfalls am Gast entlädt.“ Gastronomen, die derartige Äußerungen hören, können darüber oft leider nur „müde“ schmunzeln. Denn die gastronomische Praxis wirft die Frage auf: Kann im Gastgewerbe der rechtliche Rahmen überhaupt eingehalten werden?

Die Erfahrung zeigt, dass es oft schwierig ist, die Anliegen von Gesetzgeber, Arbeitnehmern und Arbeitgebern an diesem Punkt zu verbinden. Ruhepausen sind nicht immer im Voraus planbar, was mit stark fluktuierendem Gästeaufkommen zusammenhängt. Aus diesem Grund kann es vorkommen, dass die Pausen dann gemacht werden, wenn das bunte Treiben im Betrieb für einen Moment überschaubar ist und die Gäste zufrieden gestellt wurden. Dabei besteht die Gefahr, dass Pausen nicht oder zu kurzgehalten werden.

In manchen Betrieben gibt es eine fest eingeplante Pause, welche mit den Essenszeiten in Kantinen verknüpft ist. Hier besteht das Problem, dass der Mitarbeiter nun nicht mehr frei entscheiden kann, wie er seine Pause verbringt und der Arbeitgeber sich in einer rechtlichen Grauzone aufhält.
Eine weitere Problematik stellen große Veranstaltungen mit offenem Ende dar, da man hier nicht im Vorhinein weiß, wie viele Arbeitsstunden geleistet werden und der Pausenanspruch erst im Laufe der Schicht bekannt wird.
Ebenso diskutiert werden Pausenansprüche bei Teilschichten, da hier oft Unklarheit herrscht, wann und in welchem Umfang Pausen zu gewähren sind. Auch die Raucherpausen bieten immer wieder Diskussionsbedarf, wenn es um den Abzug dieser Arbeitsunterbrechungen und die Fairness gegenüber Nichtrauchern geht.

Tipps für eine bessere Pausen-Praxis

Jedem Mitarbeiter muss ermöglicht werden, ausreichende Ruhepausen (nach mehr als 6 Stunden Arbeitszeit mindestens 30 Minuten) zu nehmen und in dieser Zeit von seinen Pflichten freigestellt zu sein.

Da bei Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz Bußgelder von bis zu 15.000 Euro drohen und man das Verhältnis zu Arbeitnehmern nicht unnötig belasten sollte, müssen Ruhepausen eingehalten werden. Hierzu empfiehlt es sich bei der Planung Erfahrungswerte zum Gästeaufkommen hinzuziehen und die Pausen um Stoßzeiten herum zu planen. Zugleich sollten nicht nur der Dokumentationspflicht wegen Aufzeichnungen zu Arbeits- und Pausenzeiten gemacht werden – hier kann man sich Softwaresysteme für Dienstplanung und Zeiterfassung zu Nutze machen, da der Mehrwert den Aufwand in jedem Fall aufwiegt. Arbeitnehmern bietet sich so eine transparente und komfortable Möglichkeit, um abgezogene Pausenzeiten einzusehen. Bei Großveranstaltungen sollte man dafür sorgen, ausreichend Personal einzuplanen, um Pausen überhaupt möglich zu machen.

Wie Pausenregelungen in gastromatic umgesetzt werden

Wer gastromatic zur Personalorganisation nutzt, hat verschiedene Möglichkeiten Pausen abzubilden, zu planen und zu erfassen. Voreingestellt sind automatische Pausen, welche die gesetzlichen Bestimmungen aufgreifen. Es gibt zudem die Option, die Pausenzeiten gemäß Betriebsvereinbarung anzupassen oder individuelle Pausen je Mitarbeiter (etwa bei Jugendlichen/Azubis) festzulegen.

Bei der Dienstplanung erhält man bei Einteilung eines Mitarbeiters einen Hinweis, ob eine Pause in dieser Schicht gemacht werden muss. Abhängig von der Schichtdauer wird die Pausendauer berechnet und es werden empfohlene Zeiträume angezeigt.

Bei der Zeiterfassung ist das Festlegen und Anpassen von automatischen Pausen ebenfalls möglich. Auch hier können je Mitarbeiter individuelle Pausen festgelegt werden.
Für Raucher besteht zudem die Möglichkeit, additiv zur regulären Pause zu stempeln, so dass auch die berühmt berüchtigten „Raucherpausen“ als Ruhezeiten erfasst und dokumentiert werden können.

Fazit zu Pausenregelungen in Gastronomie & Hotellerie

Jeder Gastronom sollte gesetzeskonform arbeiten, besonders wenn es um sein Team geht. Doch gerade mit Blick auf die gewünschte Mitarbeiterzufriedenheit und Produktivität empfiehlt es sich, gesetzliche Pausen einzuhalten. Auch wenn sich dies oft als schwierig erweist, ist gerade deshalb der stetige Austausch mit Mitarbeitern zu dem Thema wichtig.

Im Hinblick auf Prüfungen durch den Zoll ist außerdem wissenswert: Die Aufzeichnungen der Arbeitszeiten sind nicht an eine bestimmte Form gebunden. Wichtig ist das genaue Erfassen von Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeiten, die exakte Lage der einzelnen Pausen ist davon jedoch nicht betroffen. Die Einsatzzeiten aus dem Dienstplan können auch als Aufzeichnung der Arbeitszeit des Mitarbeiters gelten. In jedem Fall muss erkennbar sein, dass die geleisteten Arbeitszeiten und damit einhergehenden Ruhepausen stattgefunden haben und dokumentiert wurden.

Das elektronische Erfassen von Arbeits- und Pausenzeiten erspart euch im Gegensatz zum händischen Aufzeichnen jedoch immer viel Arbeit. Ein großer Diskussionspunkt entfällt, da man durch das Stempeln einen exakten Wert hat, welcher für beide Parteien kaum Spielraum für Manipulation bietet. Es bleibt mehr Zeit für das Wesentliche – die Organisation des Betriebs und die Bewirtung der Gäste – um ein noch besserer Gastgeber sein zu können.

 

 

Hinweis: Hierbei handelt es sich um unverbindliche Informationen. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen, welche auch keine individuelle Rechtsberatung darstellen.

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Sabrina Harvey

Vertrieb, gastromatic

Sabrina ist Bauingenieurin, aber ihre zweite Leidenschaft ist das Gastgewerbe. Seit ihrer Jugend jobbt sie viel und gerne in der Gastronomie, hat bei diversen Events die Serviceleitung & Dienstplanung übernommen und kennt sich somit auch im operativen Geschäft bestens aus. Ein echter Volltreffer für uns und unsere gastromatic-community, die von dieser Verbindung aus technischem Know-How und langjähriger Branchenerfahrung profitiert.

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