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Mini-Jobber dürfen auch mehr als 450 Euro verdienen

Durch Gespräche mit Kunden und Interessenten sind wir auf einen spannenden Irrglauben gestoßen: Mini-Jobber dürfen unter keinen Umständen mehr als 450 Euro pro Monat verdienen!

Es gibt jedoch Möglichkeiten diese Vorgabe, zumindest teilweise, zu umgehen.

Möglichkeit 1: Schätzung des regelmäßigen Arbeitsentgelts

Es besteht die Möglichkeit das zu erwartende Arbeitsentgelt für ein Jahr im Voraus zu schätzen. Hierbei gibt es zwei Varianten: Angabe der Prognose detailliert für die einzelnen Monate, oder Angabe direkt für ein Jahr. Beide Varianten haben Vor-und Nachteile. Machen wir am besten direkt ein Beispiel:

Variante 1: Monatsbezogene Schätzung

Angenommen die umsatzstärksten Monate sind voraussichtlich Juni, Juli, August und September und Ihre Aushilfen werden in diesen Monaten erfahrungsgemäß mehr als 450 Euro verdienen. Eine persönliche Schätzung für das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt eines Mini Jobbers könnte wie folgt aussehen:

Januar bis Mai = 5* 200 Euro = 1000 Euro
Juni bis September= 4* 800 Euro = 3200 Euro
Oktober bis Dezember= 3* 350 Euro = 1050 Euro

-> Geschätzes Jahrearbeitsentgelt = 5250 Euro

-> Regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt = 437,50 Euro

Das geschätzte Jahresarbeitsentgelt liegt unter 5400 Euro. Somit ist die Bedingung für das Mini-Job Anstellungsverhältnis gegeben.

Hinweise:

•Erhebliche Schwankungen des geschätzten Arbeitsentgelts können im Rahmen einer Überprüfung beanstandet werden, wenn diese Werte nicht dem natürlichen Betriebsablauf entsprechen. Mit anderen Worten: Die Schwankungen dürfen nicht den Anschein erwecken, ein versicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis zu umgehen.

•Tatsächliche Überschreitungen des Jahresarbeitsentgelts von 5400 Euro sind unerheblich, wenn die Bedingungen: gelegentliche (bis zu drei Monaten) und nicht vorhersehbare Überschreitungen (z.B.: krankheitsbedingter Ersatz) vorliegen.

Variante 2: Jahresbezogene Schätzung

Falls die Umsatzentwicklung beziehungsweise die Überschreitungen der monatlichen Entgeltgrenze von 450 Euro schwer planbar sind, dann bietet die Jahresprognose eine adäquates Mittel. Konkret gibt man in der Jahresprognose lediglich an, dass ein Arbeitsentgelt von 5400 Euro nicht überschritten wird.

Vorteil gegenüber Variante 1: Leichtere Handhabung.

Nachteil gegenüber Variante 1: Falls das Jahresentgelt von 5400 Euro tatsächlich überschritten wird, dann liegt kein durchgängiges Minijob Arbeitsverhältnis vor. Jede monatliche Überschreitung von 450 Euro zählt automatisch als nicht geringfügig beschäftigt. Es gibt keine Ausnahmen.

Möglichkeit 2: Führen eines Arbeitszeitkontos

Neben dem Schätzen des Arbeitsentgelts gibt es die Möglichkeit einer sogenannten „sonstigen flexiblen Arbeitszeitregelung“, um Mini-Jobber flexibler einsetzen zu können.
Der Mini-Jobber bekommt ein festes gleichbleibendes monatliches Arbeitsentgelt (verstetigtes Arbeitsentgelt). Voraussetzung ist das Führen eines Arbeitszeitkontos und natürlich die Einhaltung der Jahresarbeitsentgeltgrenze von 5400 Euro.

Vorteile:

• Mini-Jobber können je nach Bedarf unterschiedlich viele Stunden im Monat arbeiten. Somit wird eine flexiblere Personalplanung ermöglicht.

• Unter Fortzahlung des Arbeitsentgelts ist es möglich, den Mitarbeiter bis zu drei Monate freizustellen, um Plusstunden auf dem Arbeitszeitkonto abzubauen.

• Kalkulierbare Personalkosten.

Nachteile:

• Der Arbeitnehmer muss nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses etwaige Minusstunden auf dem Arbeitszeitkonto nicht ausgleichen. Aus diesem Grund sollte man diese Vereinbarung nur mit vertrauenswürdigen Mitarbeitern treffen

• Arbeitnehmer können monatlich nie mehr als das vereinbarte verstetigte Entgelt verdienen.

• Wenn keine geeignete Dienstplansoftware genutzt wird, ist die Pflege und die Kontrolle des Arbeitszeitkontos aufwendiger als der resultierende Nutzen dieser Regelung.

Hinweise:

• Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses muss der Arbeitgeber spätestens im darauffolgenden Kalendermonat die bestehenden Plusstunden ausgleichen.

• Das vereinbarte Entgelt kann im Jahresverlauf geändert werden.

• Plusstunden die monatlich auf dem Arbeitszeitkonto eingehen, dürfen nicht größer als 50% der monatlich vereinbarten Arbeitszeit sein (Ausnahme: Stundenlohnansprüche > 8, 50 Euro).

Für weitere Informationen zu diesem Thema sowie für konkrete Umsetzungsvorschläge der diskutierten Möglichkeiten mit unserer Online Software gastromatic (Dienstplanung, Zeiterfassung und Urlaubsplanung) können Sie uns gerne unter info@gastromatic.de kontaktieren.

Hinweis: Hierbei handelt es sich um unverbindliche Informationen. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen, welche auch keine individuelle Rechtsberatung darstellen.