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Gastronomie & Arbeiten im Teildienst – Was zulässig ist und wie Sie Bußgelder vermeiden

Die meisten Arbeitnehmer im Gastgewerbe haben in ihrer beruflichen Laufbahn schon Erfahrung damit gemacht: Arbeiten im Teildienst. Mit Teildiensten wird die regelmäßige mehrstündige Unterbrechung des Arbeitseinsatzes innerhalb eines Tages bezeichnet. Hat ein Restaurant beispielsweise nur morgens bis nachmittags geöffnet und schließt dann für einige Stunden bis zum Abendgeschäft, müssen Mitarbeiter/innen zwischen den Servicezeiten „Freistunden“ einplanen.
Obwohl das Thema so viele betrifft und nahezu alltäglich ist, herrscht relativ viel Verunsicherung darüber, was geht und was nicht: Wie sieht die rechtliche Grundlage dafür aus? Welche Rechte haben Arbeitnehmer? Was dürfen Arbeitgeber eigentlich und was müssen sie in Hinblick auf das Arbeitszeitgesetz beachten, um Bußgelder zu vermeiden?

Teildienst aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmerperspektive

Aus Sicht der Arbeitgeber sind Teildienste aufgrund betrieblicher Gegebenheiten oftmals unumgänglich. Öffnungszeiten oder schwankendes Arbeitsaufkommen machen es notwendig auch die Arbeitszeiten anzupassen, um keine unnötigen Kosten zu verursachen. Dies gilt insbesondere für die Saisonhotellerie und –gastronomie.
Von Arbeitnehmern wird der Teildienst oftmals als besondere Belastung empfunden, da die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung während der Schichtunterbrechung mitunter sehr eingeschränkt sind. Die Qualität der Freizeit ist von diversen Faktoren abhängig; so fallen diese lange Schließzeiten von Restaurants oft in reguläre Arbeitszeiten anderer Branchen. Das Treffen von Freunden wird dadurch erschwert. Auch sportlichen Hobbies kann man in dieser Zeit mitunter schwer nachgehen, will man beispielsweise für den abendlichen Service als Kellnerin oder Kellner fit sein. Dazu kommt oftmals eine doppelte Fahrzeit, da die Pause genutzt wird, um nach Hause zu fahren. All das sollten Arbeitgeber auf jeden Fall berücksichtigen und einen Ausgleich bzw. zusätzliche Anreize für das Arbeiten im Teildienst schaffen.

Rechtliche Grundlage & Voraussetzungen für Teildienste

Konkrete gesetzliche Regelungen zu Teildiensten bestehen nicht, allerdings gibt es Voraussetzungen und Empfehlungen, die im Wesentlichen auf geltender Rechtsprechung basieren und beachtet werden müssen.

Es besteht weitestgehend ein Konsens darüber, dass das Direktionsrecht von Arbeitgebern nicht auf Teildienste anzuwenden ist, sondern nur auf „normale“ Arbeitszeiten. Dies bedeutet, dass Arbeitgeber nicht von heute auf morgen bestimmen dürfen, dass ab sofort im Teildienst gearbeitet wird. Insbesondere dann nicht, wenn die Mitarbeiter dem widersprechen. Es bedarf besonderer Regelungen zwischen Mitarbeitern und Arbeitgebern, welche ausdrücklich im Arbeitsvertrag festgehalten werden müssen. Im Idealfall werden die möglichen Dienste konkret benannt.
Wenn Teildienst bei bestehenden Mitarbeitern eingeführt werden soll, muss dies in Form einer Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag aufgenommen werden. Ohne schriftliche Vereinbarung muss der Arbeitgeber damit rechnen, dass der Mitarbeiter auch Anspruch auf Bezahlung der Zeiten zwischen den Teildiensten hat und diese im Streitfall zugesprochen bekommt.

Arbeitszeitgesetz im Teildienst

Auch für Teildienste gelten die allgemein gültigen Begrenzungen des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG), auf deren Einhaltung unbedingt geachtet werden sollte.

So darf die werktägliche Arbeitszeit in der Summe acht (bzw. ausnahmsweise maximal zehn) Stunden nicht überschreiten. Ein besonderes Augenmerk sollte zudem auf die Einhaltung der Ruhezeiten von jeweils 11 Stunden gelegt werden, da sich bei geteilten Diensten das Ende der 2. Schicht und der Anfang der 1. Schicht am Folgetag leicht unterhalb dieser gesetzlich vorgeschriebenen Grenze befinden können. Teildienste mit Arbeitszeiten von beispielsweise 9:00 bis 15:00 und 17:00 bis 23:00 Uhr sind bereits Grenzfälle, die es zu vermeiden gilt.

Die Pausenregelung des ArbZG sieht bei einer Arbeitszeit von sechs bis neun Stunden eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten und bei Einsätzen, die über neun Stunden hinausgehen, eine 45-minütige Unterbrechung der Arbeitszeit vor. Das Übertragen dieser Regelungen auf Teildienste ist nicht genau festgelegt. Bei Sozialversicherungsprüfungen wird dieses Thema regelmäßig unterschiedlich von den jeweiligen Prüfern beurteilt. Die eine Seite argumentiert, dass zusätzliche Pausen innerhalb der einzelnen Teilschichten nur dann gewährt werden müssen, wenn diese über sechs Stunden Arbeitszeit am Stück hinausgehen. In diesem Fall wird davon ausgegangen, dass die lange Unterbrechung der Schicht bereits als Pause zählt. Die Gegenseite geht davon aus, dass die Pausenregelung auf die Gesamtarbeitszeit der Teilschichten abzielt, also unabhängig von der „großen“ Pause ist und damit ein zusätzlicher Pausenabzug notwendig wird. Eine Variante, um bei der Aufzeichnung der Arbeitszeiten beiden Seiten Rechnung zu tragen, ist es Pausen auch innerhalb der jeweiligen Arbeitseinsätze aufzuzeichnen, diese jedoch als „bezahlt“ zu markieren. Auf diese Weise bekommt auch der Mitarbeiter noch ein kleines Entgegenkommen für den Zusatzaufwand des Teildienstes.

Weitere Bestimmungen

Die Manteltarifverträge der einzelnen Bundesländer sehen zusätzliche Regelungen vor, die bei Arbeit im Teildienst zu berücksichtigen sind. Demnach darf die Arbeitszeit um bis zu drei Stunden (aus dringendem Grund auch bis zu vier Stunden), mindestens jedoch um zwei Stunden unterbrochen werden. Ausgeschlossen sind Unterbrechungen in der Zeit von 22:00 bis 06:00 Uhr. Zudem ist der Arbeitgeber angehalten, die durch die geteilte Arbeitszeit zusätzlich entstehenden Fahrtkosten an den Arbeitsnehmer über die Gehaltsabrechnung zu erstatten.

Fazit: Worauf Sie also achten müssen!

Arbeiten im Teildienst ist weit verbreitet und oftmals unumgänglich. Wer Mitarbeiter im Teildienst beschäftigen möchte, sollte das mit der Person gründlich absprechen und unbedingt eine entsprechende Vereinbarung in den Arbeitsvertrag aufnehmen. Das Arbeitszeitgesetz findet auch auf Teildienste Anwendung und ist unbedingt zu berücksichtigen, um hohe Bußgelder zu vermeiden. Allerdings sind die Bestimmungen des ArbZG nicht lückenlos auf das Teildienstmodell zu übertragen (Ruhepausen). Arbeitgeber und Abrechnungsdienstleister sollten auf konsistente Regelungen achten, die den Mitarbeiter nicht zusätzlich benachteiligen. Als Arbeitnehmer sollte man dabei auch unbedingt für sein Recht einstehen.

Hinweis: Hierbei handelt es sich um unverbindliche Informationen. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen, welche auch keine individuelle Rechtsberatung darstellen.