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Ausgleich von Sonn- und Feiertagsarbeit: Manteltarifverträge im Gastgewerbe


Die heiße Feiertags-Phase ist jetzt erstmal vorbei – das dürfte das Gastgewerbe ganz besonders freuen, schließlich arbeiten die meisten Gastronomen und Hoteliers, wenn andere entspannt im Biergarten sitzen und das sommerliche Wetter genießen. Dabei ist oft die Frage: Wie schafft man einen Ausgleich für Sonn- und Feiertagen? Vor einigen Wochen haben wir die grundsätzlichen Möglichkeiten für den Ausgleich von Sonn- und Feiertagsarbeit sowie die Grundlagen der gesetzlichen Regelungen aufgezeigt. Dabei stellten wir fest: Manteltarifverträge sind teilweise allgemeinverbindlich und können die Anforderungen des Gesetzgebers auf die besonderen Bedürfnisse des Gastgewerbes anpassen und konkretisieren. Heute wollen wir uns die in verschiedenen Manteltarifverträgen festgeschriebenen Vorgaben genauer anschauen.

Manteltarifverträge für das Gastgewerbe im Überblick

Hierfür werfen wir ein Auge auf die jeweiligen Manteltarifverträge für das Hotel- und Gastgewerbe aus Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

Grundsätzlich werden Tarifverträge von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften geschlossen. Diese Tarifverträge sind dann für diese Parteien verbindlich. Manteltarifverträge sind im Vergleich zu Tarifverträgen allgemeiner gehalten und beinhalten meist aufgrund einer langen Laufzeit längerfristigere Regelungen für einen größeren darunter fallenden Personenkreis. Wird ein (Mantel-)Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklärt, so sind auch unter den Geltungsbereich fallende Parteien dann an den (Mantel-)Tarifvertrag gebunden, wenn sie nicht in dem tarifschließenden Verband oder Gewerkschaft Mitglied sind.

Dies ist bei den unten beschriebenen Manteltarifverträgen des jeweiligen Landesverbandes der DEHOGA der Fall, sie sind allgemeinverbindlich. Fällt man also unter den jeweiligen Geltungsbereich und ist in einem der vier Bundesländer ansässig, sind die Vorgaben des Manteltarifvertrages maßgeblich. Grund genug sich einen Überblick zu verschaffen.

Eine Sache vorweg: Die Regelungen für Sonntage sind überschaubar. In der Hotellerie und Gastronomie gelten Sonntage als relativ „normale Arbeitstage“. Deshalb gibt es hier in der Regel keinen besonderen Ausgleich. Lediglich die Anzahl der freien Sonntage pro Jahr ist im Arbeitszeitgesetz mit 15 Tagen verankert. Wie bereits in unserem Blogartikel zur Arbeitszeit erwähnt, dürfen Arbeitnehmer grundsätzlich nach dem Arbeitszeitgesetz an Sonn- und Feiertagen von 0 bis 24 Uhr nicht beschäftigt werden, § 9 ArbZG. Hier stellen Gastronomie und Hotellerie natürlich Ausnahmen dar. Nach § 7 ArbZG kann in Tarifverträgen jedoch von bestimmten Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes abgewichen werden. In Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen treten im Rahmen der jeweiligen Manteltarifverträge zehn arbeitsfreie Sonntage an diese Stelle.

Interessanter wird es beim Ausgleich von Feiertagsarbeit. Die rudimentären Anforderungen des Gesetzgebers sind in jedem der heute präsentierten Manteltarifverträge deutlich ausgebaut. Dennoch unterscheiden sie sich untereinander. Schauen wir uns die unterschiedlichen Regelungen einmal genauer an:

Baden-Württemberg

Im Manteltarifvertrag Gaststättengewerbe Baden-Württemberg werden Feiertage ausgeglichen, die auf einen Montag bis Freitag fallen. Fällt der Feiertag also auf einen Samstag oder Sonntag, so findet er – wie beim „gewöhnlichen Arbeitnehmer“ – keine Berücksichtigung. Für Arbeitnehmer, die an relevanten Feiertagen eine Arbeitsleistung erbringen, bedeutet das: Sie erhalten entweder einen Ausgleichstag oder alternativ den höchstmöglichen steuer- und abgabenfreien Feiertagszuschlag (125-150%). Eine Frist für den Ausgleichstag ist nicht erwähnt.

Niedersachsen

Auch in Niedersachsen sind im Rahmen des Manteltarifvertrags Hotel-& Gaststättengewerbe Niedersachsen ausschließlich die Feiertage relevant, die auf Montag bis Freitag fallen. Arbeitet man als Beschäftigter an einem auf Montag bis Freitag fallenden Feiertag, so kann mit einem Ausgleichstag oder auch mit einem 100%igen Zuschlag vergütet werden.

Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen gibt es den Manteltarifvertrag Gaststätten- & Hotelgewerbe NRW, in dem Feiertage von Montag bis Samstag relevant sind. Ein Ausgleichstag muss innerhalb von drei Wochen gewährt werden. Vor der Gewährung des Ausgleichstags ist zuvor eine Ruhezeit von 10 Stunden zu gewährleisten. Wird ein Ausgleichstag nicht gewährt, so ist der Feiertag mit einem Zweiundzwanzigstel (1/22) des Entgeltes des jeweiligen Monats plus einem Zuschlag von 25% abzugelten.

Schleswig-Holstein

Im Manteltarifvertrag Hotel- und Gaststättengewerbe Schleswig-Holstein treffen wir auf eine andere Art von Regelung: Auch hier sind nur Feiertage zwischen Montag und Freitag relevant. Interessant ist aber, dass nicht nur die Mitarbeiter belohnt werden, die am Feiertag selbst gearbeitet haben. Jeder Arbeitnehmer hat in der Feiertagswoche einen Einsatz weniger bzw. erhält einen Ausgleichstag. Für die Mitarbeiter, die am Feiertag gearbeitet haben und nicht innerhalb von fünf Wochen einen Ausgleichstag erhalten, ist zudem ein Zuschlag in Höhe von 25% fällig.

Parallelen in den vier Bundesländern

In den vier Bundesländern ergeben sich also Parallelen. Der Feiertag findet keine Berücksichtigung, wenn er auf den Betriebsruhetag fällt oder für die Mitarbeiter, die an dem Feiertag ihren festen Ruhetag haben. Auch finden die besonderen Regelungen keine Anwendung auf Mitarbeiter, die ausschließlich wegen der Arbeit an Feiertagen angestellt wurden. Die tatsächliche Ausgestaltung in Form von Frist und möglicher Höhe des Zuschlags variiert.

Die gesetzliche Grundlage zum Ausgleich von Sonntags- und Feiertagsarbeit greift aus der Historie heraus nur bei Angestellten mit einer Sechs-Tage-Woche. Das Gesetz ist auf Grund der heute typischen Fünf-Tage-Woche und des ohnehin im Gastgewerbe häufiger eingesetzten Modells der „variablen Tage“ eher praxisfern und erscheint manchen möglicherweise nicht mehr zeitgemäß. In Abgrenzung hierzu bieten die jeweiligen Manteltarifverträge eine praxisnähere und arbeitnehmerfreundlichere Regelung.

Ein Blick auf Deutschland insgesamt

Schaut man auf ganz Deutschland, so ist aus unserer Sicht alles vertreten: Von keiner Berücksichtigung der Feiertagsarbeit über mögliche Ausgleichstage bis hin zur Zahlung von Zuschlägen oder Kombination von Zuschlägen und Ausgleichstagen. Dahinter steht oft die Bemühung Arbeitnehmern im Gastgewerbe gegenüber den „gewöhnlichen Angestellten“, die von montags bis freitags im Betrieb sind, einen fairen Ausgleich zu geben. 

Fazit und Empfehlung

Die bundesweite Divergenz zeigt, dass auch im Rahmen des Gastgewerbes die Reglementierung von Feiertagen einem Wildwuchs gleicht. Es ist erstaunlich, dass die unterschiedlichen Manteltarifverträge doch so uneinheitlich sind und so schwer zu greifen sind. Daher können wir die Not der Gastgeber verstehen, die aufgrund der Unklarheit vorherrscht. Praktische Personaltools wie gastromatic stellen eine große Arbeitserleichterung dar, denn der Verwaltungsaufwand für Gastgeber wird minimiert, da man die Einstellungen auf die jeweiligen Gegebenheiten der Region bzw. der geltenden Tarifverträge anpassen kann. Dies ist vor allen Dingen für Gastgeber mit mehreren Standorten unumgänglich. Historisch ist der Wildwuchs aufgrund der früher vorherrschenden Sechs-Tage-Woche (die auch heute noch im Arbeitszeitgesetz steht) entstanden, weil die Sonntage früher frei sein mussten und der Erholungstag gesetzlich gesichert sein musste, damit der Arbeitnehmer nicht über einen längeren Zeitraum ohne Erholungstag auskommen musste. In Zeiten der Fünf-Tage-Woche ist dieser Anspruch jedoch auch erfüllt, wenn der Ersatzruhetag auf einen ohnehin freien Samstag fällt (vgl. auch unseren letzten Blogartikel hierzu). Unabhängig von diesen Stolpersteinen und der geltenden Regelungen ist es jedoch abschließend immer wichtig, eine mitarbeiterfreundliche Lösung zu finden, mit der alle Beteiligten zufrieden sind. Dies kommt am Ende nicht nur dem Gewerbe, sondern auch dem Gast zugute.

 

Hinweis: Hierbei handelt es sich um unverbindliche Informationen. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen, welche auch keine individuelle Rechtsberatung darstellen.

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Philip Kunze

Vertrieb, gastromatic

Philip ist ein echter Darmstädter und liebt gute hessische Küche. Nach Fertigstellung des BWL-Diploms hat er den Weg als Vertriebsprofi eingeschlagen und ist als solcher seit 2017 bei gastromatic. Sein Ehrgeiz und die Begeisterung für das Gastgewerbe sind eine super Kombi - er saugt Wissen auf wie ein Schwamm und macht als gastromatic Blogger top-informierte Branchenbeiträge daraus.

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