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Bewerbungsgespräche führen – ein kreativer Blick auf Inhalt und Form


Bewerbungsgespräche – manchmal sind sie für beide Seiten, Arbeitgeber genauso wie Arbeitnehmer, Freud’ und Leid: Man freut sich, ist aufgeregt, Bewerber (oder eben den potenziellen Arbeitgeber) kennenzulernen, doch das Ergebnis ist irgendwie nicht das Gewünschte und es bleibt nach dem Gespräch ein fader Beigeschmack zurück. Schon mal darüber nachgedacht, dass ihr etwas an der Konzeption eures Bewerbungsgesprächs ändern solltet? Wir möchten euch ein paar Ideen mitgeben, damit ihr für Bewerbungsgespräche in eurem Betrieb euren individuellen und einzigartigen Weg findet, um die Bewerber von euch zu überzeugen und gleichzeitig auch möglichst viel vom Bewerber zu erfahren. Dazu beleuchten wir sowohl die inhaltliche Gestaltung als auch den Rahmen eines guten Bewerbungsgesprächs!

Bewerbungsgespräche mal ganz anders

Vermutlich wird dieser wirklich geniale Clip (Heineken – The Candidate) über die Interviews bei Heineken niemanden von euch animieren, in Zukunft dasselbe Format zu wählen. Aber vielleicht wird es den ein oder anderen unter euch dazu anregen, über die eigenen Bewerbungsgespräche mal einen Augenblick nachzudenken.

Wie sehr transportiert ihr in den Gesprächen, was euren Betrieb ausmacht (Stichwort Employer Branding)? Wie nehmt ihr den Bewerber im übertragenen Sinn „an die Hand“? Wie traditionell, konservativ oder vielleicht auch langweilig sind Bewerbungsgespräche bei euch? Habt ihr in den letzten Jahren etwas daran verändert?

Bei der Gestaltung der Stellenanzeigen habt ihr euch so richtig Mühe gegeben. Die Anzeige zeigt die Individualität eures Betriebes und vermittelt dem Leser gleich einen super ersten Eindruck. Dadurch erhaltet ihr auch tatsächlich einige Bewerbungen und ihr möchtet gern das erste Kennenlernen vereinbaren. Der Bewerber wird zum Interview eingeladen. Und was erwartet ihn da? Wir beleuchten im folgenden zunächst das Inhaltliche eines jeden Bewerbungsgespräch und geben dafür neue Anregungen und werfen auch ein prüfendes Auge auf den Rahmen von Bewerbungsgesprächen.

 

Inhalt eines Bewerbungsgespräches

Inhaltlich findet sich in jedem Bewerbungsgespräch all das wieder – das ist nicht neu:

  1. Smalltalk
  2. Präsentation des Bewerbers
  3. Unternehmensvorstellung / Jobvorstellung
  4. Motivation und Kenntnisse des Bewerbers herausfinden
  5. Organisatorisches: Anfangsdatum, Gehalt, Arbeitszeit etc

Aus meiner Sicht ist es auch nicht sinnvoll auf Bestandteile davon zu verzichten. Aber wie kann man dann ein Interview modernisieren? Am Smalltalk und an der Präsenttion des Bewerbers ist nicht viel zu ändern. Also kommen wir direkt zu Punkt 3: die Unternehmensvorstellung.


Die Unternehmensvorstellung

Auch wenn es heutzutage für jeden Bewerber immer leichter wird, sich im Vorfeld viele Informationen über den Arbeitgeber zu besorgen, so zeigt sich in der täglichen Praxis, dass das oft nicht (oder nicht ausreichend) passiert. Darüber kann man sich noch immer wundern oder wenn man möchte, es auch als Ausschlusskriterium nehmen, aber wie zielführend ist das?

Deshalb ist es wichtig, gute und ausführliche Informationen über den Betrieb und über die freie Stelle zu geben. Gern auch in Form eines Filmes, einer Präsentation oder einfach mit Bildern (je nach Position und Betrieb). Wenn so etwas wie eine Hausführung geplant ist, ist es ideal, das von einem zukünftigen Kollegen übernehmen zu lassen – aber der sollte auch Ahnung davon haben, wie man ein Haus präsentiert. So sind inzwischen einige Betriebe dazu übergegangen, die Hausführungen für Bewerber von der Sales-Abteilung machen zu lassen. Das kommt super an, zeigt gleichzeitig die Wertschätzung gegenüber einem Bewerber und überzeugt den ihn gleichzeitig vom Produkt.


Die Kenntnisse des Bewerbers checken

Eignungstest sind besser als ihr Ruf. Aber es kommt darauf an, wie man sie erstellt und durchführt: Es mag Unternehmen geben, die es für sich als passend empfinden, Fragen nach dem aktuellen Bundespräsidenten, dem längsten Fluß der Erde oder dem Geburtsdatum von Goethe zu stellen – aber ist das aus eurer Sicht für euch passend und vor allem zielführend in der Bewerberauswahl?

Tatsächlich sind die Erfahrungen mit Eignungstests sehr positiv, wenn sie zur Position passend erstellt sind. Je nachdem, welche Voraussetzungen für die freie Stelle wichtig sind, sind kurze, spezifische Tests sehr sinnvoll und zielführend. Diese Tests können schriftlich oder mündlich stattfinden. So ist es auf jeden Fall für eine Position, in der Englisch wichtig ist, ein gutes Mittel das Gespräch teilweise in Englisch zu führen. Auch bei einer Position mit einem bestimmten Fachwissen kann man durch einige fachliche Fragen auf diesem Gebiet sehr gut das tatsächliche Wissen abrufen. So wäre z.B. bei der Einstellung einer Lohnbuchhalterin ein kurzer Fragebogen mit 8-10 Fragen zum Thema Lohn/Gehalt sehr sinnvoll, um konkret den Stand ihres Fachwissens zu checken. Man kann dann im Gespräch erfragen,  ob die Bewerber das lieber schriftlich beantworten möchten oder man gemeinsam mündlich die Fragen durchgeht. So kann man ganz konkret bewerten, wieviel Fachwissen vorhanden ist.


Die richtigen Fragen stellen

Die immer gleichen Fragen, die in fast jedem Interview gestellt werden, ergeben erfahrungsgemäß auch die immer gleichen, gelernten Antworten. Deshalb lohnt es sehr, auch mal die eigenen Fragestellungen zu reflektieren. Ein Blick ins Netz, z.B. bei Monster, gibt uns sofort die Aufstellung der häufigsten Fragen – und sicherlich kommen die euch sehr bekannt vor:

Die 10 häufigsten Fragen im Vorstellungsgespräch

  1. Erzählen Sie mir etwas über sich.
  2. Warum haben Sie sich bei uns beworben?
  3. Aus welchem Grund wollen Sie Ihren derzeitigen Arbeitgeber verlassen?
  4. Was wissen Sie über unser Unternehmen?
  5. Was möchten Sie in drei/fünf/zehn Jahren erreicht haben?
  6. Warum denken Sie, die richtige Besetzung für diese Stelle zu sein?
  7. Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?
  8. Was stört Sie am meisten an anderen Menschen und wie gehen Sie damit um?
  9. Was würden Sie gerne verdienen?
  10. Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Wie viele dieser Fragen gehören in eurem Betrieb zum Standard? Und jetzt kommt die entscheidende Frage: Könnt und wollt ihr euch damit von anderen abheben, die Persönlichkeit des Betriebes zeigen?


Welche Fragen abseits der Norm fallen euch ein?

  • Erzählen Sie mir von guten Erfahrungen, die Sie bisher in ihrem Leben gesammelt haben.
  • Wenn Sie eine Sache an Ihrer Umwelt ändern könnten, was wäre es?
  • Auf einer Skala von 1 – 10: Wie sehr brennen Sie für diesen Job?
  • Wie würden Sie mich als Interviewer in diesem Gespräch bewerten?
  • Schätzen Sie sich eher als Leader oder als Mitläufer ein?
  • Woran machen Sie fest, dass Sie einen guten Job machen?
  • Was haben Sie nicht in Ihren Lebenslauf geschrieben?
  • Welches Tier wären Sie gern?
  • Wie würden Sie Ihrem Opa Instagram erklären?

Diese Liste soll nur als Anregung dienen und jeder Betrieb sollte natürlich für sich herausfinden, welche Fragen und welcher Rahmen eines Gespräches passend ist. Wenn es zu eurer Organisation und eurer Unternehmenskultur passt, solltet ihr beispielsweise im Bewerbungsgespräch duzen – so macht es u.a. auch gastromatic. 🙂 Wichtig ist: Ihr wollt die Person richtig kennen- und einzuschätzen lernen. Dabei kann ein Überraschungsmoment oder eine Frage, die sie kurz aus dem Konzept bringt, durchaus helfen. Ihr seht gleich, wie die Bewerber mit Ungeahntem umgehen. Zudem werden durch bestimmte Fragen abseits der Norm im Bewerbungsgespräch bereits die Werteorientierung und Fähigkeit zur Selbstreflexion in den Antworten der Bewerber erkennbar.

Nachdem wir nun einige inhaltliche Aspekt in einem Vorstellungsgespräch beleuchtet haben, schauen wir uns auch den Rahmen und das Format an.


Der Rahmen: Das Setting bei Bewerbungsgesprächen

Zunächst einmal ist da der äußere Rahmen, also der Ort und die „Art“ des Gespräches. Welchen Ort wählt ihr aus? Im leeren Restaurant? Im Büro? In einem nüchternen Besprechungsraum? In einer Lobby? Ein wirklich sehr wirkungsvolles Mittel ist, die Gesprächssituation durch ein anderes Setting zu verändern. Schwere, tiefe, bequeme Sessel führen häufig nicht zu einem lebendigen, lockeren und energiegeladenen Gespräch! Also ändert man den Ort und wählt z.B. für das Gespräch einen Stehtisch – ohne Stühle. Dabei kann man bei Beginn des Interviews gut erklären, warum man dieses Setting gewählt hat: „Da wir Mitarbeiter suchen, die mit viel Energie und Elan ihre Arbeit machen, bleiben wir auch während des Interviews stehen und setzen uns nicht hin.“ Die Veränderung ist wirklich verblüffend. Die Gespräche verlaufen lebendiger und gleichzeitig kann man noch besser die Körpersprache der Bewerber beobachten, weil viel mehr Raum für Körpersprache da ist, wenn man steht.

Wer es ausprobieren möche, kann ein Gespräch sogar im Gehen führen. Bei der Suche nach einem Restaurantleiter für ein modernes Restaurant habe ich dann sogar diese Idee noch weiterentwickelt – ich habe alle Bewerbergespräche im Gehen geführt. Die Bewerber haben mir durchgängig ein sehr positives Feedback darauf gegeben. Da gab es Rückmeldungen wie: „Das habe ich ja noch nie erlebt.“, „Beim Gehen kann man viel besser sprechen!“ oder „Ich sitze sowieso eher ungern länger.“ Habt ihr eine schöne Außenanlage oder einen Park vor der Tür? Versucht es einfach mal… Bringt ihr den Bewerber in ein unerwartetes Umfeld, wird euch das andere Seiten von ihm zeigen.

Vorstellungsgespräch gehen

Oder auch ein ganz anderer Ort? So werden z.B. inzwischen auch Bewerber für den Beruf Mechatroniker von guten Arbeitgebern für das zweite Gespräch in Restaurants eingeladen. Die Bewerber sind deshalb sicherlich etwas verunsichert, aber auch total begeistert. So zeigt die Wahl des Ortes für das Gespräch gleich, dass den Chef nicht nur das handwerkliche Können des Mechatronikers interessiert, sondern auch seine Verhaltensweisen sowie das allgemeine Benehmen. Außerdem hat er durch die Einladung zum Essen gleich eine riesige Portion Wertschätzung erfahren. Sicherlich können auch ganz kreative Orte zu einem Aha-Erlebnis beim Bewerber führen. Wichtig ist dabei, dass die Athmosphäre des Vorstellungsortes auch zum Betrieb passt.


Assessment Center

Wenn es für bestimmte Positionen mehrere Bewerber gibt, ist das Mittel eines Assessment Centers gut geeignet. Durch unterschiedliche Aufgaben und Übungen werden Verhalten und Kompetenzen der Bewerber analysiert. Ziel eines Assessment Center ist es damit, die Kandidaten zu ermitteln, die fachlich und persönlich am besten ins Unternehmen und auf die freie Stelle passen. Auch eine Azubi-Auswahl mit diesen Methoden vorzunehmen, hat viele Vorteile. So bekommt man die Chance, die Bewerber in verschiedenen Situationen zu erleben und kann auch gleich sehr gut erkennen, wie sie jeweils im Team agieren.

Leider lassen die sinkenden Bewerberzahlen heute fast gar nicht mehr zu, dass man 8-12 Bewerber an einem Tag einladen kann. Doch wer die Möglichkeit hat, sollte unbedingt über diese Methode nachdenken.

Die Vorteile:

  • abwechselnde Aufgaben als Gruppen- oder Einzelaufgaben zeigen ganz unterschiedliche Stärken
  • verschiedene Bewerber können sehr gut miteinander verglichen werden
  • in den Auswahlprozess werden mehrere Personen aus dem Unternehmen mit einbezogen
  • den Bewerbern wird ein hohes Maß an Wertschätzung vermittelt


Probearbeitstag

Ein super Mittel, um dem Bewerber wirklich die Arbeitsrealität zu vermitteln und ihm somit zu einer fundierten Entscheidung zu verhelfen, ist ein Probearbeitstag. Natürlich soll er sich im Idealfall dafür entscheiden. Gleichzeitig sollte man auch davor warnen, als Arbeitgeber diesen Tag als wichtiges Auswahlkriterium zu nehmen. Leider hört man oft nach so einem Probearbeitstag: „Heute war so viel zu tun, da konnten wir uns den Bewerber gar nicht so richtig ansehen.“, oder aber „So richtig mit angepackt hat er noch nicht…“. Gerade der letzte Satz wird so gern als negatives Argument gegen den Bewerber genommen. Dabei ist es ganz normal, dass manche Menschen am ersten Tag in einer fremden Umgebung nicht sofort Vollgas geben können/wollen und trotzdem später einen sehr guten Job machen. Unser Tipp also: Bitte nie den Probetag als einziges Auswahlverfahren nehmen.

Und dann noch ein rechtlicher Tipp zum Thema: Macht bitte wirklich nur maximal einen Tag Probearbeiten – noch besser nur ein paar Stunden. Sonst kann man nicht mehr von einem Einfühlungsverhältnis sprechen und ihr seid sofort bei einem Beschäftigungsverhältnis mit allen rechtlichen Konsequenzen. Der konkrete Auftrag – im Sinne des Direktionsrechtes des Arbeitgebers – darf nicht erfolgen.

Fazit: Es lohnt sich Bewerbungsgespräche neu zu denken

Zusammenfassend möchten wir mit diesem Blogartikel dazu animieren: Schaut euch eure Bewerbungsgespräche mal mit den Augen des Bewerbers an. Habt ihr einen Rahmen und Inhalt vorbereitet, der euren Betrieb im richtigen Licht darstellen? Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr bei euch im Interview wärt? Würdet ihr bei euch im Betrieb anfangen wollen? Denn das Ziel eines guten Vorstellungsgespräches sollte heutzutage zwei Aspekte beinhalten: Es sollte eine fundierte Bewertung des Bewerbers ermöglichen und gleichzeitig auch dem Bewerber ein authentisches und umfassendes Bild vom Unternehmen vermitteln. Nur so kann es richtig beiden Seiten funken. 😉

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Barbara Schumacher

HR-Beraterin

Barbara Schumacher ist Gastronomietochter und leidenschaftliche Personal-Expertin, die in Hamburg das Hotelfach gelernt hat und mittlerweile seit über 20 Jahren im Personalwesen unterwegs ist. Darunter waren vornehmlich Positionen als Personalleiterin in verschiedensten Hotel- und Gastronomiebetrieben, mit Verantwortung für alle operativen und strategischen HR-Themen für drei bis ca. 700 Mitarbeiter. Jetzt ist sie freiberuflich als HR-Beraterin tätig und teilt ihr Wissen mit uns.

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