Du bist auf der Suche nach etwas?

Gib ein Wort ein und lass dich erleuchten.

Rechte und Pflichten von Azubis im Gastgewerbe


Lehrjahre sind keine Herrenjahre, so heißt es. Gerade in unserer Branche, die zum Großteil noch von den „alten Hasen“ geprägt ist, trifft es das Sprichwort ziemlich gut. Die Zeiten, in denen Azubis als billige Arbeitskräfte angesehen wurden, sollten aber längst vorbei sein, doch den teils schlechten Ruf ist die Ausbildung im Gastgewerbe leider noch immer nicht los.

Auszubildende haben Rechte, genau wie normale Arbeitnehmer auch. Nur wenn die Branche es schafft, die Bedingungen innerhalb der Ausbildungsbetriebe an den gesetzlichen Rahmen anzupassen, kann der Ruf langfristig verbessert und so gleichzeitig dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden. Denn wer die Zeit seiner Ausbildung als positiv empfindet, wird später auch mit größerer Wahrscheinlichkeit im gelernten Berufsfeld bleiben und andere davon begeistern. Wer sich aber während der Ausbildungszeit ausgenutzt und unwichtig fühlt, ist als ausgebildete Fachkraft für das Gastgewerbe wahrscheinlich verloren.
Im letzten Blogbeitrag haben wir bereits den Ausbildungsstart 2017 als Anlass genutzt und ein paar wertvolle Tipps zur Verbesserung der Ausbildung im Gastgewerbe für euch zusammengestellt. In diesem Beitrag wollen wir das Thema Ausbildung im Gastgewerbe von der rechtlichen Seite beleuchten. Welche Rechte aber auch Pflichten haben eure Azubis und warum solltet ihr euch gerade bei den jungen Mitarbeitern bemühen euren Pflichten als Arbeitgeber & Ausbilder nachzukommen?


Vertragliche Rahmenbedingungen für Azubis

Im Ausbildungsvertrag müssen alle wichtigen Rahmenbedingungen der Ausbildungszeit festgehalten werden. Dabei gibt es bezüglich der Arbeitszeit bei minderjährigen Azubis auch wenig Spielraum.

Arbeitszeit von Azubis

Das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) sieht unter §8 ganz klare Richtlinien vor. So dürfen Jugendliche unter 18 Jahren acht Stunden am Tag (Kernarbeitszeit von 06:00-22:00 Uhr) und nicht mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten. Mit Ausnahmen dürfen die 8 Stunden auch mal um eine halbe Stunde auf 8,5 Stunden angehoben werden, die Wochenarbeitszeit darf aber in keinem Fall die 40 Stunden überschreiten. Das Wochenende ist für minderjährige Azubis grundsätzlich frei. In Ausnahmefällen und nur mit Ausgleichstag in der gleichen Woche, darf ein Azubi unter 18 Jahren auch am Wochenende arbeiten.

Auch die Regelung zur Ruhepause zwischen zwei Schichten und Pausenzeit während der Arbeit sieht bei Minderjährigen andere Regelungen vor. So müssen mindestens zwölf Stunden Ruhezeit eingehalten werden und ab einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden müssen 60 Minuten Pause gewährt werden.

Bei volljährigen Auszubildenden kann man die Arbeitszeit auf 48 Stunden und sechs Tage pro Woche erhöhen. Zeitweise dürfen Azubis, die älter als 18 Jahre sind, auch 10 Stunden pro Tag, also 60 Stunden pro Woche arbeiten. Der Durchschnitt innerhalb eines halben Jahres darf aber die acht Stunden pro Tag nicht überschreiten. Bezüglich der Ruhe- und Pausenzeiten gelten die allgemeinen Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG). Auch bei Sonn- und Feiertagsarbeit gelten gelockerte Vorgaben. So muss der volljährige Azubi für einen Arbeitseinsatz am Sonntag zwar einen Ausgleichstag bekommen, hier ist jedoch der Zeitraum auf zwei Wochen verlängert. Für einen Arbeitstag am Feiertag muss er innerhalb von acht Wochen mit Freizeit entschädigt werden. Die Zeit in der Berufsschule zählt als Arbeitszeit. Sofern der Schultag kürzer als fünf Stunden lang ist, dürfen Azubis aber noch im Betrieb eingeplant werden.

Probezeit für Azubis

Auch der Zeitraum der Probezeit ist bei Auszubildenden auf maximal vier Monate festgelegt. Innerhalb dieser Zeit darf sowohl der Azubi als auch der Ausbildungsbetrieb ohne Angabe eines Grundes das Ausbildungsverhältnis kündigen.

Urlaubszeit für Azubis

Beschäftigt man Azubis unter 16 Jahren, so liegt der gesetzliche Urlaubsanspruch bei 30 Werktagen, die Werktage beziehen sich hier auf eine 6-Tage-Woche. Je älter der Azubi ist, desto weniger wird aber sein Anspruch auf Urlaub. 16-jährige Beschäftigte haben demnach einen Anspruch auf 27 Werktage und 17-jährige Azubis bekommen 25 Werktage zugesichert. Für volljährige Mitarbeiter greift der gesetzliche Urlaubsanspruch von 24 Tagen bei einer 6-Tage-Woche oder 20 Tagen Urlaub bei 5-Tage-Woche.

Ausbildungsvergütung für Azubis

Jeder weiß, dass man während der Ausbildung keine Reichtümer anhäuft. Den flächendeckenden Mindestlohn, der Anfang 2015 eingeführt wurde, können Auszubildende zwar nicht einfordern, zumindest muss die Ausbildungsvergütung aber gemäß § 17 Berufsbildungsgesetz (BBiG) jährlich ansteigen. Dennoch ist die Ausbildungsvergütung auch im Gastgewerbe teilweise so niedrig, dass die sogenannte Geringverdienergrenze bei Auszubildenden unterschritten wird. Diese lag im vergangenen Jahr unverändert bei 325 Euro und ist nicht mit den derzeit 450 Euro bei einer geringfügigen Beschäftigung zu verwechseln. Auszubildende sind dabei unabhängig vom Einkommen sozialversicherungspflichtig. Für betroffene Lehrlinge, die nicht mehr als diese 325 Euro verdienen, gilt bezüglich der Sozialversicherung aber: der Arbeitgeber muss alle Beiträge alleine zahlen, gegebenenfalls sogar mit Zuschlägen. Dasselbe gilt für den Zusatzbeitrag zur Krankenkasse in Höhe des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes, der derzeit bei 1,1% liegt.


Der Ausbildungsplan fasst alle für die Ausbildung relevanten Themen zusammen und gibt auch zeitliche Abläufe vor. Ein Auszubildender hat Anrecht darauf, alle vorgegeben Themen auch in der Praxis durchlaufen zu können. Sollte er vom Ausbilder mit Aufgaben betreut werden, die nicht dem Zwecke der Ausbildung dienen, so darf der Azubi diese Aufgaben ablehnen. Das soll nicht bedeuten, dass er sich vehement gegen eine freundliche Aufforderung seines Ausbilders wehren sollte. 😉

Das Führen eines Berichthefts ist hingegen eine Pflicht des Azubis und auch Zulassungsvoraussetzung für die Abschlussprüfung. Die Pflege des Heftes darf auch im Ausbildungsbetrieb und damit während der Arbeitszeit stattfinden.


Ende der Ausbildung

Der Zeitpunkt der Ausbildung ist offiziell im Arbeitsvertrag festgehalten, in der Regel ist die Ausbildung aber mit Bestehen der Abschlussprüfung beendet. Für diejenigen, die durchfallen, besteht das Recht auf Wiederholung und somit auch auf Weiterbeschäftigung. Diese muss maximal ein Jahr gesichert sein.

Wer die Ausbildung erfolgreich beendet, hat damit aber dennoch nicht gleichzeitig das Recht der Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis. Natürlich liegt es auf der Hand bereits eingelernte Mitarbeiter langfristig an den Betrieb zu binden, aber viele unserer Kunden, wie das Ringhotel Hohenlohe, hat da eine ganz klare Haltung. Hier werden Azubis ausgebildet und viel Wert auf eine abwechslungsreiche und facettenreiche Ausbildung gelegt. Nachdem der Azubi aber ausgelernt ist, möchte der Geschäftsführer Volker Dürr ausdrücklich, dass die Nachwuchstalente anderweitig Erfahrung sammeln und sich weiterbilden. Viele von ihnen behalten aber ihren Ausbildungsbetrieb in einer so guten Erinnerung, dass es sie doch nach ein paar Jahren in anderen Betrieben oder gar Auslandserfahrung immer wieder auch zurück nach Hause verschlägt.

Wir bemerken ein Umdenken in der Branche und haben viele Kunden, die ihren Azubis die Ausbildungszeit so lehrreich und spannend wie möglich gestalten möchten. Für den erfolgreichen Abschluss der meistens dreijährigen Ausbildung sind beide Seiten mitverantwortlich. In einer Ausbildung im Gastgewerbe wird man nicht nur mit Samthandschuhe angefasst: Stress, ungewohnt lange Tage und ganz neue Belastungssituationen prägen vor allem die ersten Monate. Es erfordert Durchhaltevermögen, Ehrgeiz, aber auch Zuverlässigkeit und die Bereitschaft, neue Fähigkeiten zu erlernen, damit die Ausbildung ein Erfolg wird und man nicht am Ende der investierten Zeit nachtrauert.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)
Loading...

Christin Klima

Vertrieb, gastromatic

Angesteckt vom Start-Up-Fieber hat Christin sich schon 2014 für gastromatic entschieden. Als Vertriebsleiterin und Ansprechpartnerin großer Kunden ist sie nicht nur am Aufbau eines Unternehmens beteiligt, auch begleitet sie Kunden aus dem Gastgewerbe und anderen Branchen bei allen Themen rund um die Personalorganisation und Dienstplangestaltung. Ihre tagtäglich gesammelten Branchen-Insights verpackt sie in spannende Blogartikel, um sie mit der gastromatic-Community zu teilen.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Ähnliche Beiträge

Der Newsletter von gastromatic

  • Alle 14 Tage
  • Insights und Erfolgstories
  • Das Gastro-Magazin

Der Newsletter von gastromatic

  • Alle 14 Tage
  • Insights und Erfolgstories
  • Das Gastro-Magazin